Der Fragebogen: Konstantin Keil

(Abi 2015)
Lamy, Geha oder Pelikan?

Mit einem vertrauten Ploppen fand der mattschwarze Lamy-Füller seinen Weg zurück in den durch Kratzer und abgebrochene Kanten unansehnlich gewordenen Deckel. Der selbe Füller, der, seit Übergabe an seinen Besitzer, mit steigendem Anforderungsgrad immer weniger sorgsam, doch umso liebevoller gehegt wurde und so die Chance hatte, seinem Träger über einfache Buchstabenmalereien bis zur überbordenden Menge an Notizen für die mit

Ihr größte schulische Leistung?

15 Punkten besiegelte mündliche Geschichtsprüfung ans Herz zu wachsen. Ob wohl auch Goethe bei der Niederschrift solch vieldeutiger Zeilen wie

Ihre Lieblingshelden bei Reclam?

„Daß die Kinder nicht wissen, warum sie wollen, darin sind alle hochgelehrten Schul- und Hofmeister einig; daß aber auch Erwachsene gleich Kindern auf diesem Erdboden herumtaumeln und wie jene nicht wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen, ebenso wenig nach wahren Zwecken handeln, ebenso durch Biskuit und Kuchen und Birkenreiser regiert werden: das will niemand gern glauben, und mich dünkt, man kann es mit Händen greifen.“ (Werther also!!) ein ebenso treues Lieblingsschreibgerät nutzte? Oder der unermüdlich korrekte Lehrer, der mit leicht angehobenen Mundwinkeln sekundengenau die Zeiger seiner Armbanduhr verfolgt, nur um dann langsam und genüsslich

Wie viele Einträge im Klassenbuch gibt es von Ihnen?

„Konstantin verspätet, verschlafen, unpünktlich,…“ den Seiten des Klassenbuches einzuverleiben? Überhaupt ist doch das Schreiben doch eine Kunstform und somit der Füller ein kunst- und kulturschaffendes Werkzeug, gleich

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?

Prometheus‘ feuerstiftendem Riesenfenchel

Ihr Lieblingskomponist?

Eric Claptons Saiteninstrument oder der abenteuerlustige Flamme

Mit wem würden Sie gerne heut die Schulbank drücken?

Richard Bransons (absolut durchgeknallter Typ, würd ich gern mal kennenlernen!). Was für ein Schreibuntensil war das Mittel der Wahl dieser beider Männer in ihrer Schulzeit? Was auch immer Clapton zum Abbruchs seines Kunststudiums bewegt haben mag und wie auch immer Branson seine Legasthenie kompensiert, mit solcherlei Problematiken hatte der mattschwarze Lamy nicht zu kämpfen. Aber werden solch erfolgreiche Persönlichkeiten wohl auch im Moment des Revue-passieren-lassens der Abiturvorbereitung plötzlich von der Einsicht durchzuckt,

Welche Aufgabe stellte Ihnen das Abitur?

Dass die ganze Planung, Organisation und Vorbereitung letztendlich doch nur auf 24 Stunden hektisches Bulimielernen hinausgelaufen ist?

So, genug der Lyrik. Jetzt mal ehrlich:
Wenn Sie heute, eine Schulstunde besuchen müssten, dann zum Thema … ?

Analysis war immer ganz prickelnd, ich vermisse es so.

Wenn Sie heute eine Schulstunde gestalten müssten, dann zum Thema …?

„Wer sitzt, verliert – Warum Stühle unsere Zivilisation bedrohen“ (Achtung, Copyright auf den Buchtitel; Erscheinungsjahr 2024!)

Was hat Ihnen die Schule nicht vermittelt?

Dass Denken, Einprägen, Sitzen und Wissen nicht alles ist, sondern Fühlen, Tanzen, Kreativität und Bewegung die Waage erst ins Gleichgewicht bringen.

Welches waren Ihre Lieblingslehrer? Warum?

Zwar klingt es womöglich nach „Schleeeimer!!“, aber ich kann die Anzahl der Lehrer, die ich NICHT in guter Erinnerung habe, am kleinen und mittleren Zeh meines linken Fußes abzählen. Natürlich stehen bestimmte Persönlichkeiten fast von allein im Rampenlicht, lernen konnte ich aber von fast allen etwas. Was zählt, wenn nicht das?

In welchem Fach hätten Sie besser aufpassen sollen?

siehe Schulstreich

Was war Ihr persönlicher AbiturSchul-Streich?

Unvergessen bleiben wird mir Leonhard Gerkes Tanzeinlage in Frau Wieczerkowskis Physikunterricht. Eine Initiative der gequält-gelangweilt lauschenden Schülergruppe erwählte Leo zur Speerspitze des Aufruhrs, der gänzlich versunken in seinem Element sich also das T-Shirt vom Leib riss und in verstörend überzeugender Go-Go- Girl-Manier unter Beifall und oberkörperfrei eine köstliche Tanzeinlage auf seinem Tisch präsentierte. Frau Wieczerkowski verließ kurz darauf die Hebbelschule, über Korrelationen mag man spekulieren.

Haben Sie sich international austauschen können?

Die Chance zur Teilnahme an Austauschprogrammen war durchaus häufig gegeben, mein persönliches Desinteresse daran ebenfalls. Die Berichte von Klassenkameraden regen allerdings teilweise auch nicht zum Bedauern an.

Was war das denkwürdigste Schul-Erlebnis?

Zwar nicht mehr Schulerlebnis im eigentlichen Sinne, denkwürdig trotzdem: eindeutig unser Abiball. Seit Aufgabe des Alkoholausschankes auf Schulveranstaltungen, was vor allem unter Frau Wilms‘ Supervision strikt eingehalten wird, hat man nicht oft die Gelegenheit, Herrn Dr. B.S. inbrünstig tanzend zu erleben.

Wann fing für Sie der Ernst des Lebens an?

Muss das Leben denn so ernst sein?

Wen würden Sie gerne einmal wiedersehen?

Da mein Schulabschied bisher nur einige Monate zurückliegt, hält sich das personenbezogene Vermissen bisher in Grenzen. Ich freue mich aber schon tierisch auf Jahrgangstreffen in fünf, zehn, fünfzig Jahren!

Ihre gegenwärtige Status-Meldung?

Krawall und Remmidemmi a.k.a. Lass-noch- ne-Folge- Downton-Abbey- gucken. Volle Kraft voraus also!
PS: Bin ich im Fernsehen?! Boah geil, ich möchte meine Oma grüßen! Und Herrn Schedlitz!!!

2017-03-24T17:07:32+00:00