Der Fragebogen: Christian Friedrich Hebbel

Hebbel, wer war das noch? Im Schatten von Goethe, Grass und Herrndorf fristen Hebbels Dramen selbst an einer Schule mit Hebbel im Namen ein schweres Dasein. Welch persönliche Dramen dem Bartträger von der Westküste mitspielten wissen die wenigsten. Grund genug den „bekanntesten Unbekannten“ der Schule den legendären Fragebogen ausfüllen zu lassen, „der früher ein beliebtes Gesellschaftsspiel war und den Marcel-Proust gleich zweimal ausfüllte.“ Seine Antworten erreichen uns mit der Extrapost aus Rom und der Bitte, das Porto auszulegen. Im Oktober 1845.

Was ist für Sie das größte Unglück?

In Armut und in der Provinz aufzuwachsen.

Wo möchten Sie leben?

Dort, wo meine Stücke aufgeführt werden.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Ungestört schreiben zu können.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Die aus Leidenschaft begangenen.

Ihre liebsten Romanhelden?

Michael Kohlhaas; Quintus Fixlein.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?

Meine Mutter; große Schauspielerinnen.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung?

Das Käthchen von Heilbronn; Judith; Die Marquise von O.

Ihre Lieblingsmaler?

Der Landschaftsmaler Louis Gurlitt.

Ihr Lieblingskomponist?

Robert Schumann.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?

Ehrlichkeit, Treue zum Freund.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?

Hingabe und Talent.

Ihre Lieblingstugend?

Großmut.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Raten Sie selbst!

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Ich kann und will kein anderer sein als ich bin.

Ihr Hauptcharakterzug?

Wahrhaftigkeit.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Dass sie an mich glauben und Geduld mit mir haben.

Ihr größter Fehler?

Jähzorn.

Ihr Traum vom Glück?

Ohne Geldsorgen schreiben zu können.

Was wäre für Sie das größte Unglück?

Das Versickern meines Talents.

Ihre Lieblingsfarbe?

Rot wie Blut.

Ihr Lieblingsvogel?

Möwe – und da denk ich jetzt an den Norden – ach!

Ihr Lieblingsschriftsteller?

Friedrich Schiller.

Ihr Lieblingslyriker?

Ludwig Uhland.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?

Wulf Isebrand und sein Gegner Thomas Slentz; Ludwig Börne.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Telse von Dithmarschen; Johanna von Orléon.

Ihre Lieblingsnamen?

Emil und Emilie.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Feigheit.

Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten?

Napoléon, als er die Revolution verriet.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?

Die Schlacht bei Hemmingstedt.

Welche Reform bewundern Sie am meisten?

Humboldts Bildungsreform – die für mich leider zu spät kam.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Geduld und Güte.

Wie möchten Sie sterben?

Mit dem Bewusstsein, ein Werk hinterlassen zu haben.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Das verfluchte Geld!

Ihr Motto?

Lieber ein eckiges Nichts als ein rundes Etwas.

Hebbel lieferte die Antworten, Susanne Bienwald schrieb sie exklusiv für Hebbelalumni auf. Die Hebbel-Biografin studierte Germanistik, Philosophie und Soziologie in Konstanz, Berlin und Hamburg, wo sie heute als Lektorin und Autorin arbeitet. Nach der 2008 erschienen Biografie „Friedrich Hebbel und Hamburg. Lauter zerrissene Verhältnisse“ (Hoffmann & Campe) erscheint 2014 mit „Da geht einer“ ein historischer Roman über Hebbels abenteuerliche Wanderung von München nach Hamburg im Jahre 1839.

2017-03-24T20:39:19+00:00